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Little Red Door Paris

Little Red Door: A way with words

Die neue Karte im Pariser Little Red Door ist ein Übersetzungsversuch von dem, was nicht zu übersetzen ist. Zu trinken sind die Cocktails umso besser. Das hat auch mit Futterneid zu tun.

» Wie erklären Sie ihrem Expat-Nachbarn das Wort „Fingerspitzengefühl“? Oder „Futterneid“? «

Fast zwei Jahre ist Remy Savage nicht mehr in der Pariser Speakeay-Bar Little Red Door. Vor zwei Jahren konnte sich niemand vorstellen, wie das gehen solle, die Pariser Trink-Institution ohne den Chef-Mixologen Savage. Doch mittlerweile lanciert die Bar ihre zweite Karte in der Post-Savage-Ära. Obwohl, bei einem Blick in die Karte merkt man, es ist unfair, von der Post-Savage-Ära zu sprechen. Vielmehr kann von einer Rory-Shepherd-Ära sprechen. Denn der hat im Little Red Door seit Remy Savage‘ Wechsel nach London die *hust* Klinke in der Hand.

Das Menü der Mixologen hat stets ein Thema. Diesmal gibt es zehn Wörter, für die es keine Übersetzung ins Englische gibt, und zwar aus zwölf Sprachen. Man kann sich das babylonische Chaos vorstellen, in der die internationale Belegschaft der Bar versucht hat, diese Wörter zu vermitteln. Sie können es ja selbst einmal versuchen: Wie erklären Sie ihrem Ex-Pat-Nachbarn das Wort „Fingerspitzengefühl“? Und wenn das noch klappt, dann versuchen Sie, sich doch mal für „Sitzriese“ zu verrenken.

Zwischen Sitzriese und Futterneid: Krude Wörter und feine Drinks

Um genau diese Missverständnisse zu vermeiden, bekam jedes Teammitglied sein eigenes Wort und sollte dann damit auf Recherche gehen. Dabei sollte jeder einzelne versuchen, so viel wie möglich über das Wort herauszufinden und dann in flüssige Formen übersetzen.

Als deutsches Wort hat es allerdings keines der beiden oben erwähnten geschafft. Stattdessen heißt einer der zwölf neuen Cocktails „Futterneid“, ein Wort wie eine Autobahn. Er besteht aus Hendrick’s Orbium Gin, Juicy Cherry Wine, „foamy proteins“, weißer Schokolade und Kokosnuss. Ein Cocktail, bei dem zumindest Trinkerneid aufkommt.

Aus dem Russischen kommt das Wort: „Poemúčka“. Es bedeutet (ungefähr): Jemand, häufig ein Kind, das viele Fragen stellt, gerne mit dem Fragewort „Warum“? Und wie es im Little Red Door übersetzt wird: „Strawberry Leaf Belvedere“, „Strawberry Wine“ und „Strawberry Moo Juice“. Ein Erdbeereis also, für das wissbegierige und eben vor allem nervende Kind.

» Übersetzen lässt sich Hurroo noch etwas schwerer als die anderen Wörter, weil Hurroo auch im schottischen Original kein richtiges Wort ist. «

Die kleine rote Tür zwischen Russland und Schottland

Einen noch, weil es so schön ist: Der „Hurroo“ aus dem Schottischen wird im Little Red Door mit Talisker Storm, Pfirsich und Melone und grünem Gras zubereitet. Übersetzen lässt sich Hurroo noch etwas schwerer als die anderen Wörter, weil Hurroo auch im schottischen Original kein richtiges Wort ist. „Ein Ausruf der Freude und Aufgeregtheit“ soll die passendste Übersetzung sein, bei dem Drink kein Wunder.

Die Gestaltung der Karte hat „Natacha Einat“ übernommen. Jeder Cocktail wird noch einmal übersetzt, in eine Illustration. Es ist schwer zu sagen. Aber es könnte sein, dass dabei einmal zu viel übersetzt wurde, so dass bei dieser letzten Transformation endgültig jeder Sinn aus den unübersetzbaren Wörtern hinausgefallen ist. Das soll uns aber nicht davon abhalten, die flüssigen Übersetzungen des Little Red Door jedem trinkenden Linguisten (und auch allen anderen) wärmstens ans Herz zu legen. In diesem Sinne: Santé !

Little Red Door

60 rue Charlot
75003 PARIS Paris

Sonntag bis Donnerstag von 18:00 Uhr bis 02:00 UhrFreitag und Samstag von 18:00 Uhr bis 03:00 Uhr

Little Red Door

Wirklich versteckt ist die winzige rote Tür nicht. Scheinwerfer weisen den Weg zur hübschen Bar im Marais-Viertel. Zuweilen muss man einen Moment auf einen freien Platz warten. Es wird viel Englisch gesprochen. Kerzenschein und entspanntes Lichtdesign vor nackten Steinmauern sorgen für stimmungsvolles Ambiente zu innovativen Drinks in spektakulären und kunstvollen Karten.

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